Studie Schlafen Babys besser, wenn sie früher Beikost bekommen?

Viele Eltern starten schon vor dem sechsten Monat mit der Beikost, damit ihr Baby länger schläft. Jetzt kommt eine große Studie zum Schluss: Sie könnten damit recht haben.

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Ein guter Schlaf zählt neben Gesundheit wohl zu den größten Wünschen, die Eltern für ihre Babys haben - und ein bisschen auch für sich selbst. Schlafen Babys besser, steigt die Lebensqualität von Mutter und Vater. Was aber können Eltern tun, damit ihr Nachwuchs friedlich schlummert? Viele sehen einen Schlüssel in der Ernährung.

Bei einer Befragung in Großbritannien erklärte 2010 mehr als jeder Zweite, anders als oft empfohlen schon vor dem sechsten Monat neben dem Stillen mit fester Nahrung zu beginnen. Die meisten (29 Prozent) hatten das Gefühl, ihr Baby allein mit Muttermilch nicht mehr ausreichend zufriedenstellen zu können. Fast genauso viele (26 Prozent) handelten jedoch in der Hoffnung, dadurch nachts mehr Ruhe zu haben.

Belege gab es für diese Theorie bislang keine - im Gegenteil. Eine kleine, aber wissenschaftlich fragwürdige Untersuchung mit rund Hundert Babys kam 1993 zum Ergebnis, dass Kinder gleich gut oder schlecht schlafen - egal ob sie vor oder nach dem sechsten Monat Beikost erhalten. Jetzt haben Forscher erstmals eine große Studie zu dem Thema veröffentlicht. Das Ergebnis spricht dafür, dass sich Eltern doch Hoffnung auf ein bisschen mehr Schlaf machen dürfen.

Der Nachtschlaf von mehr als 1300 Babys

Eigentlich hatten Forscher um Gideon Lack vom King's College in London die Studie gestartet, um zu analysieren, ob das Füttern fester Nahrung ab dem vierten Monat das Risiko für Allergien senkt (das Ergebnis: wenn überhaupt, dann minimal). Dafür unterteilten die Wissenschaftler mehr als 1300 gesunde Babys aus England und Wales per Zufall in zwei Gruppen:

  • Die eine Hälfte sollte die ersten sechs Monate ausschließlich gestillt werden und dann zusätzlich mit fester Nahrung beginnen, wie es unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt.
  • Der anderen Hälfte hingegen sollten ab der 16. Woche neben dem Stillen nach und nach sechs Lebensmittel zugefüttert werden, die häufig zu Allergien führen: Kuhmilch, Erdnüsse, gekochte Hühnereier, Sesam, Weißfisch und Weizen - alles in babygerechter Form.

Bereits kurz nach dem sechsten Monat hatte sich die Ernährung in beiden Gruppen angeglichen, berichten die Forscher in "Jama Pediatrics". Zu diesem Zeitpunkt aßen alle Babys ähnliche Mengen feste Nahrung. Neben dem Auftreten von Allergien dokumentierten die Forscher auch, wie viel und wie gut die Kinder schliefen. Dafür füllten die Eltern monatlich einen Fragebogen aus, bis ihr Kind ein Jahr alt war. Anschließend vergrößerten sich die Intervalle auf drei Monate, bis die Wissenschaftler die Studie beendeten, als die Kinder drei waren.

Längerer Schlaf, nachts seltener geweckt

Tatsächlich dokumentierten die Forscher zwar geringe, aber für Eltern durchaus wertvolle Unterschiede im Schlafverhalten der beiden Gruppen. Über die gesamte Studienzeit - also bis zum dritten Lebensjahr - schliefen die frühen Beikostkinder jede Nacht im Schnitt sieben Minuten länger. Am größten war der Gewinn im Alter von sechs Monaten. In dieser Zeit schlummerten die Beikost-Kinder nachts knapp 17 Minuten mehr als die Stillkinder, was sich auf zwei Stunden pro Woche summierte.

Wurden sie bereits gefüttert, wachten die Babys im Alter von sechs Monaten außerdem im Schnitt zweimal seltener pro Woche auf. Darüber hinaus berichteten die Still-Eltern doppelt so häufig wie die Beikost-Eltern, dass ihr Kind in seinem ersten Lebensjahr unter einer schweren Schlafstörung litt. Über die Gründe für den längeren Schlaf verraten die Daten nichts. Möglich ist zum Beispiel, dass die ruhigere Nacht auf weniger Hunger zurückzuführen ist.

Den Familien fiel es allerdings oft schwer, den Speiseplan so früh auszubauen. Nur 43 Prozent gelang es, bis zum Alter von sechs Monaten alle sechs Lebensmittel in die Ernährung aufzunehmen. Ihre Kinder schliefen dafür im Schnitt noch etwas besser als die anderen.

Zwei Stunden mehr pro Woche - immerhin

Zwei Stunden mehr Schlaf pro Woche bedeuteten zwei Stunden Bonuszeit für die Eltern. Sie seien jedoch lange kein Grund, ein Kind zur Beikost zu drängen, das damit Schwierigkeiten habe, bewertet der US-amerikanische Kinderarzt Aaron Carroll die Ergebnisse der Studie. Sei das Baby hingegen von seiner Entwicklung bereit und der Schritt mit einem Kinderarzt abgesprochen, spreche nichts dagegen, es zu probieren. "Nur ein Wunder sollte man nicht erwarten", so Carroll.

In Deutschland sind sich Experten uneinig darüber, wann der richtige Zeitpunkt für die erste feste Nahrung ist. Die Nationale Stillkommission rät dazu, gesunde, reif geborene Babys die ersten sechs Monate ausschließlich zu stillen, falls das körperlich möglich ist. Beikost sollten Eltern demnach in Abhängigkeit von den Fähigkeiten des Kindes nicht vor Beginn des fünften Monats, aber auch nicht nach Beginn des siebten Monats einführen.

In der Leitlinie zur Allergieprävention hingegen empfehlen Mediziner, Babys neben dem Stillen schon nach dem vierten Monat mit Ei und anderen möglichen Allergenen zu füttern - vergleichbar mit dem Zeitpunkt in der aktuellen Untersuchung. Bei den Auswertungen fanden die Forscher allerdings nur Hinweise auf eine leicht schützende Wirkung bei Erdnuss- und Ei-Allergien. Bei den anderen Allergien konnten sie keinen Einfluss nachweisen. Mit Wundern aber ist hier auch nicht zu rechnen.



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henry_org 09.07.2018
1. auauaua
was so ein kleiner Big Mäc zwischendurch bereits im Säunglingsalter ausmacht! Ich feier MC&Co. Ich weiss natürlich nicht, ob die Studien-Beauftragten das selbst an ihren eigenen, lebenden Objekten ausprobiert haben. Und ob die auf eigene Ressourcen dieser Art überhaupt zurückgreifen können. Stillen hat auch was mit körperlicher Nähe und Sicherheit geben zu tun.... und das Verlangen der Säuglinge danach ist nicht nur wegen dem Hunger! Aber Hauptsache abfüttern! Mit vollem Bausch schläfts sich vielleicht besser, aber es studiert sich schlechter, wie der Volksmund weiss.
lathea 09.07.2018
2. Das hat vielleicht eher mit dem Licht etwas ......
........ zu tun und mit der Melatoninproduktion. Ich habe meinen Sohn in der Nacht ohne Licht gestillt. Nur im Nebenraum hatte bei Bedarf eine leichte Leuchte gebrannt, damit ich etwas sehen konnte und die mein Mann einschaltete, damit der Sohnermann sofort von mir gefüttert werden konnte. Ausserdem schliefen wir ohne Jalousien, also mit Mondlicht, und das Kinderbett stand neben meinem Bett, damit ich ihn sofort herausnehmen und stillen konnte, noch bevor er richtig wach wurde. Mit 4 Monaten schlief er von 23:00 (letzte Mahlzeit) bis 5:00 Uhr morgens durch. Ich hatte ihn davor in der Nacht ein paar Tage lang, als er in der Nacht aufwachte sanft gestreichelt und mit leisen Worten beruhigt, damit er wieder ohne Essen einschlief, da ich merkte, dass er nachts nicht mehr so viel trank und schon beim Stillen wieder einschlief. Ich sagte ihm, dass es Nacht sei und dass jetzt alle Menschen schlafen. Ob und was er verstanden hatte, weiss ich nicht. Er blieb dann auch in diesem Zeitraum trocken und wachte auch nicht wegen Windelwechseln auf. Ab dem 6ten Monat bekam er abends um 22:00 Uhr einen nahrhaften warmen Shake aus Banane, Haferflocken und Frischmilch und schlief bis 6:00 Uhr morgens ohne Probleme durch. Lediglich mit 2 Jahren kam die übliche kurze Phase, bei der Kinder nachts aufwachen und spielen wollen. Diese ging nach 2 Wochen auch vorbei, weil wir ganz schnell die Sicherungen ausgeschaltet haben und es deshalb nachts kein Licht mehr gab. Allerdings habe ich mich neben ihn gesetzt und ihm erlaubt, so lange er wollte zu spielen - das hat er nach 2 Wochen freiwillig gesteckt und wieder durchgeschlagen. Die Tipps hatte mir meine jüngere Schwester gegeben und ich habe diese dankbar angenommen, da ich berufstätig und auf ein in Hinsicht nächtliches Durchschlafen auf ein pflegeleichtes Kind und ausreichend eigenen Schlaf angewiesen war. Meine Schwester hatte diese Tipps von ihrer ebenfalls berufstätigen Schwiegermutter und diese von ihrer eigenen Mutter - wobei die letzteren abends jedoch statt Banane etwas Zucker nahmen. Ausserdem musste er, wenn er es nicht wollte, ab ca. 2-3 Jahren keinen Mittagsschlaf mehr machen, damit er abends müde war.
mariakäfer 09.07.2018
3. Es soll doch gesünder sein
das Baby 6 Monate voll zu stillen. Kann man als Mutter denn nicht wenigstens 6 Monate auf Durchschlafen verzichten? Warum wollen alle Babys aber niemand zieht es auf wie die Natur es vorgesehen hat? Ausnahmen ausgenommen...
chalchiuhtlicue 09.07.2018
4. Was für eine lächerliche Studie!
Sieben bzw. 17 Minuten mehr Schlaf pro Nacht machen bei 14 bis 16 Stunden (erste 3 Monate) bzw. 12 bis 14 (4.-6. Monat) Schlaf pro Tag nun wirklich nichts aus. Da werden irrelevante Studienergebnisse schön geredet. Das ganze scheint von der Baby-Nahrungsindustrie gesponsort zu sein und sich an junge Mütter zu wenden, die keine Lust auf Stillen haben.
helisara 09.07.2018
5.
Es geht hier nicht um den völligen Verzicht auf das Stillen vor dem sechsten Monat, sondern um BEIkost. Es gibt auch Babys die schon vor dem sechsten Monat mehr brauchen als Muttermilch.
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