Thomas Gottschalk und Mike Krüger Duo mit zwei Nasen

Blödeln im Doppelpack: Als "Supernasen" eroberten Mike Krüger und Thomas Gottschalk in den Achtzigerjahren die deutschen Kinos. Was denken die Entertainer heute über den Klamauk von damals?

imago/United Archives

Ein Interview von


einestages: Herr Gottschalk, Herr Krüger - vor Ihren Showkarrieren hatten Sie ja beide ganz andere Laufbahnen im Blick. Wenn Sie nicht berühmt geworden wären - wie sähe Ihr Leben heute aus?

Gottschalk: Ich wäre ein pensionierter Deutschlehrer mit Schnäuzer und Plauze. Einmal im Monat würde ich bei der Ü60-Party in Kulmbach den DJ geben.

Krüger: Und ich wäre ein arbeitsloser Architekt, weil zu meiner Zeit die "Tanzenden Türme" einfach als "zu schief" abgelehnt worden wären.

einestages: Als Sie 1982 für "Piratensender Powerplay" zum ersten Mal gemeinsam vor die Kamera traten, was dachten Sie da über Ihren neuen Kollegen?

Krüger: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Endlich lachen die Leute nicht nur über meine Nase.

Gottschalk: Alleine hat man mir das wohl nicht zugetraut, aber mit Mike hab ich ja noch Glück. (Rex Gildo war damals auch sehr beliebt.)

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"Supernasen"-Duo Gottschalk und Krüger: Den richtigen Riecher gehabt

einestages: Herr Krüger - Sie waren damals durch "Mein Gott Walter" als Sänger bekannt. Sie, Herr Gottschalk, kannte man als Rundfunkmoderator. Als Schauspieler hatten Sie kaum Erfahrung. Ging Ihnen damals gar nicht die Muffe, die Hauptrollen zu spielen?

Gottschalk: Ich hab' mir ein paar Filme mit Schwarzenegger und Stallone angeschaut und gedacht: Das krieg' ich auch hin.

Krüger: Größenwahn war damals mein zweiter Vorname. Ich habe heute noch eine Wette mit Thomas laufen, dass "Piratensender Powerplay" irgendwann sogar bei SPIEGEL TV laufen wird. Jetzt habe ich sie endlich gewonnen - vielen Dank, meine Herren!

"Piratensender Powerplay" - der ganze Film:

einestages: Eigentlich handelt der Film ja auch von einem Stück Rundfunkgeschichte: zwei Männer, die aus Frust über das öde öffentlich-rechtliche Programm einen Piratensender starten und sich dabei mit Post, Polizei und dem Bayerischen Rundfunk anlegen. Tatsächlich hatten Sie, Herr Gottschalk, zwei Jahre zuvor als Moderator vom Bayerischen Rundfunk zu Radio Luxemburg gewechselt, das als Vorreiter europäischer Piratensender galt. Handelte der Film auch von Ihrem Frust?

Gottschalk: Ich hatte immer darauf gehofft, dass irgendeine Konkurrenz den Öffentlich-Rechtlichen Feuer unter dem Hintern machen würde. Da war mir jedes Mittel recht.

einestages: Sie sind beide Kinder der Fünfzigerjahre. Das Rundfunkprogramm damals war noch ungleich stärker eingeschränkt als in den Achtzigern. Was hörten Sie im Radio?

Gottschalk: Ich hatte ein kleines Neckermann-Radio mit Hülle aus gelöchertem Lederimitat. Mit Kopfhörerstöpseln hab' ich dann nachts unter der Bettdecke das englischsprachige Programm 208 von Radio Luxemburg gehört. In München dann den US-Soldatensender AFN.

Krüger: Ich habe meine Kindheit in einem Internat verbracht, in dem es kein Radio gab. Die einzige Möglichkeit, Musik zu hören, war unser "Saloon" - der Gemeinschaftsraum, in dem der einzige Plattenspieler stand. Es hat viele blaue Flecken und Augen gekostet, meine Musik gegen die anderen Internatler durchzusetzen. Die Beatles wären stolz auf mich gewesen.

einestages: Im Film geht es um den spießigen öffentlich-rechtlichen Bildungsrundfunk und die Revolution durch ein junges, leichtes Unterhaltungsprogramm. Zwei Jahre später brach diese Revolution in Deutschland tatsächlich los - durch den privaten Rundfunk. Was an ihr war rückblickend ein Segen, was eher ein Fluch?

Krüger: Da kennt sich Thomas besser aus als ich. Ich glaube aber, dass "Piratensender Powerplay" die Revolution im Rundfunk mindestens so stark beeinflusst hat wie "Looking for Freedom" den Mauerfall.

Gottschalk: Ein Segen war, dass die Öffentlich-Rechtlichen endlich Konkurrenz bekamen. Ein Fluch, dass sie anfingen, die Privaten zu imitieren, statt mit neuen Konzepten gegen sie anzutreten.

einestages: Kritiker verrissen "Powerplay", das Publikum liebte den Film trotzdem. Er wurde zu einer der erfolgreichsten deutschen Komödien der Achtziger, etablierte Sie damals als Deutschlands bekanntestes Komödiantenduo und bildete den Start zur "Supernasen"-Filmreihe. Hatten Sie mit einem solchen Erfolg gerechnet?

Gottschalk: Nein, aber wir haben ihn genossen. Jeder sollte einmal im Leben mit einem Hebekran über eine Menschenmasse geschwenkt werden, die ihm zujubelt. Das haben wir bei der Supernasen-Premiere in Essen erlebt. Wie das Kino hieß, hab ich vergessen.

Krüger: Es war die "Lichtburg", du Held!

einestages: Dieser Erfolg verband Sie für die kommenden Jahre - 1983 kehrten Sie mit "Die Supernasen", 1984 mit "Zwei Nasen tanken Super", 1985 mit "Die Einsteiger" als Duo auf die Leinwand zurück. War die Zusammenarbeit immer harmonisch? Oder gab es Momente, in denen man die Nase des anderen vielleicht gerade gar nicht mehr so super fand?

Krüger: Ab "Supernasen" haben wir auch noch alle Drehbücher zusammen geschrieben und das war tatsächlich immer ein Fest. Wer damals bei den Dreharbeiten dabei war, wird das bestätigen. Für mich war es nach dem ganzen Tourneestress immer wie ein gut bezahlter Sommerurlaub am Wörthersee, wo unsere Produktionsfirma "Lisa Film" war.

einestages: Herr Krüger, Sie waren damals ständig live unterwegs - in einem Interview sagten Sie einmal, sie hätten "jede Halle in Deutschland viermal gesehen". Geht einem das berufliche Lustigsein eigentlich irgendwann auf die Nerven?

Krüger : Wenn einem als Komiker das Lustigsein auf den Senkel geht, dann hat man seinen Beruf verfehlt. Natürlich habe auch ich, wie jeder Mensch, mal Probleme. Aber die bleiben dann in der Familie und werden nicht, wie es heute so üblich ist, über Instagram oder Facebook in die darauf völlig unvorbereitete Welt geblasen.

Gottschalk: Ich blödel mich inzwischen auf Twitter aus und hab' es dort zum Influencer gebracht. Man feiert mich als Knitter-Twitter.

einestages: Das Internet, aber auch Castingshows haben die Medienwelt ziemlich umgekrempelt. Sich zu präsentieren ist leichter als je zuvor. Entsprechend bemühen sich viele junge Menschen sehr früh um den Durchbruch als YouTuber, Comedian, Sänger oder Ähnliches. Was würden Sie mit Ihrer Lebenserfahrung diesen jungen Leuten raten, wie man als Entertainer den Durchbruch schafft - und ein Berufsleben lang durchhält?

Krüger: Es hilft natürlich ein überdurchschnittlich gutes Aussehen, eine herausragende Intelligenz und ein unglaubliches Gespür dafür, was das Publikum will. Und da rede ich jetzt nur von Thomas. Ich hatte einfach viel Glück.

Gottschalk: Mit dem Instant Fame ist da so 'ne Sache. Manche YouTuber haben Millionen Fans, weil sie Schminktipps geben oder dir die Welt erklären. Dasselbe gilt für die Gamer oder die Instagram-Stars. Außerhalb ihrer Gruppe kennt die keiner. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Art von Ruhm jahrzehntelang hält - und dass man auf Dauer davon leben kann.

einestages: Apropos Halbwertszeit: Hand aufs Herz - was ist dran an den Gerüchten über ein "Supernasen"-Remake?

Krüger: Ich habe es dir gesagt, Thomas, die vom SPIEGEL stellen die harten Fragen.

Gottschalk: Lex Barker und Pierre Briece sind tot, Bud Spencer und Terence Hill…...

einestages: Terence Hill lebt noch.

Krüger: Gab schon lange kein Remake von den drei Musketieren mehr.

Gottschalk: Eine für alle, alles im Eimer!



insgesamt 5 Beiträge
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David Braben, 29.12.2017
1. die vom SPIEGEL stellen die harten Fragen
Zum Beispiel folgende: "Warum zoomt in 'Die Einsteiger' die Kamera immer wieder für mehrere Sekunden auf eine Zigarettenschachtel einer bestimmten Marke?" (Man denke an Himmelsrichtungen. 'Ost' ist es nicht.)
Karl Nappich, 29.12.2017
2. Ich bekenne
Ja, auch ich habe die Filme gesehen. Alle. Und ich fand sie damals extrem unterhaltsam. Ich weiß aber nicht, ob sie mir heute noch gefallen würden, denn alles hat seine Zeit. Andererseits, über Insterburg & Co kann ich mich heute noch beömmeln.
Christian Rosenbaum Rechtsanwälte Schmid & Koll., 30.12.2017
3. Ich bekenne, dass ich noch
nicht einen einzigen dieser Filme gesehen habe, obwohl ich zur "Wetten Das"-Generation gehöre und Mike Krüger für völlig unterschätzt halte, der ist hochintelligent und kann einen sehr hintergründigen Witz haben - habe ich was verpasst?
Haio Forler, 30.12.2017
4.
Billiger geht Film kaum. Ich war beim Zappen überrascht, wie schlecht Darsteller und "Gags" sein können.
Markus Mosler, 02.01.2018
5. Ich bekenne mich, dass ich ....
.... vor ein paar Monaten den ersten "Supernasen"-Film sowie "Die Einsteiger" nach geschätzten 30 Jahren erneut angeschaut habe. Ich kann es realistisch einschätzen, dass diese Art von billig produziertem Schenkelklopferhumor heute keinesfalls mehr funktionieren würde. Ich kann es realistisch einschätzen und verstehen, dass auch 95% derjenigen, die die Filme damals gesehen und für lustig befunden haben, das heute anders sehen. Ich bin da anders. Ich kann mich heute noch darüber wegschmeißen. Das ist aber eine Besonderheit von mir - ich kann einen Film aus heutiger Sicht schlecht finden, aber mich durchaus gleichzeitig in meinen damaligen Gemütszustand hineinversetzen und ihn unter diesem Aspekt wieder gut finden. Funktioniert z. B. auch beim Dschungelcamp: Ich kann dieses Format aus moralischen Gründen ablehnen, aber trotzdem heimlich anschauen. Ist für mich kein Widerspruch. Eines würde ich aber bleiben lassen: Eine Neuauflage der alten Filme. Das wird und kann nicht funktionieren.
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