Gescheiterte Automodelle Flott gefloppt

Bizarres Design, anfällige Technik, verqueres Konzept, falscher Zeitpunkt oder zu hoher Preis - beim Start eines neuen Automodells kann vieles danebengehen. Und manchmal kommt alles zusammen.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


"Sie haben die Corvette geschrumpft", jubelte die Fachzeitschrift "auto, motor und sport" und die "Auto Bild" frohlockte: "Hurra, der GT ist wieder da!" Im Frühjahr 2007 schien es, als habe Opel mit dem Sportwagen GT Roadster einen Volltreffer gelandet. Ein Zweisitzer mit Stoffverdeck, 264-PS-Motor und schneidiger Linienführung. Im Jahr zuvor war der Roadster auf dem Autosalon in Genf vorgestellt worden, unmittelbar darauf wurde er zum "Cabrio des Jahres" gekürt. Jetzt sollte der Wagen die Straßen und vor allem die Herzen der Kundschaft erobern.

"GT'aime" (etwa: GT ich liebe dich) wortspielten die Opel-Werber, tatsächlich jedoch interessierte sich kaum einer für das hochgejubelte Auto. Manchen war der Wagen zu eng, anderen zu opelig, den meisten einfach zu teuer; schließlich lag der Einstiegspreis bei 29.900 Euro. Der GT verkaufte sich nur schleppend. Nach dem Marktstart im März 2007 wurden bis zum Jahresende lediglich 2365 Autos in Europa abgesetzt, insgesamt wurden es 7519 in vier Jahren.

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Gescheiterte Auto-Modelle: Die Rohrkrepierer

Dass der Wagen rasch wieder vom Markt verschwand, verwundert also nicht. Allerdings war auch Pech dabei. Denn kaum war das Auto verfügbar, beutelte die weltweite Finanzkrise auch den Fahrzeugmarkt. Wer kauft sich schon ein Spaßauto, wenn ringsum Banken wanken und Konzerne kollabieren. Die Krise machte dem GT den Garaus, denn der damalige Opel-Mutterkonzern General Motors schloss im Sommer 2009 das Werk in Wilmington im US-Staat Delaware, wo der Wagen gebaut wurde.

Auf die Euphorie folgt das böse Erwachen

Das Schicksal des Opel GT ist kein Einzelfall. Immer wieder gibt es Autotypen, die zwar eine verheißungsvolle Premiere hinlegen, danach aber nur noch eine Richtung kennen: abwärts. Das passiert etablierten Herstellern wie Audi (A2), VW (Phaeton) oder Mercedes (Vaneo) ebenso wie Neueinsteigern ins Autogeschäft (Artega). Und es gibt vielerlei Gründe, warum Autos zu Rohrkrepierern werden. Es passiert wegen technischer Unzulänglichkeiten (Citroën SM), sonderbaren Designs (Renault Vel Satis), überzogenen Erwartungen (Maybach) oder missratenen Konzepten (Peugeot 1007).

All diese Autos wurden zu "Edsels". Der Begriff bedeutet so viel wie "etwas Unerwünschtes, Nutzloses" und bereichert die US-amerikanische Sprache seit der Pleite der Ford-Marke Edsel, die 1957 gegründet und bereits 1960 wieder eingestampft wurde. Das völlig verkorkste Projekt gilt als Musterbeispiel für eine gescheiterte Marken- und Produktneueinführung. Ford verlor dabei rund zwei Milliarden Dollar - bemessen an heutigen Maßstäben.

Ein Auto-Flop bedeutet horrende Verluste

Die Wall-Street-Broker und -Beratungsfirma Bernstein Research errechnete kürzlich, wie teuer andere Fahrzeug-Flops die jeweiligen Hersteller kamen, und ermittelten erstaunliche Summen. So sei, heißt es bei den Analysten, Renault durch den Vel Satis ein Gesamtschaden in Höhe von etwa 1,2 Milliarden Euro entstanden, Audi beim Alu-Kleinwagen A2 ein Gesamtverlust in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro und Peugeot durch den Kleinwagen 1007 sogar ein Gesamtverlust von 1,9 Milliarden Euro.

Fazit: Wenn ein Automodell nicht funktioniert wie geplant, bedeutet das einen immensen Schaden für den Hersteller.

SPIEGEL ONLINE hat eine Auswahl an Autos, die schlimm floppten, in einer Bildergalerie versammelt.



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
t_w_adorno 06.01.2018
1. Wie herrlich
Vielen Dank für die Zusammenstellung. Da kommt man nicht nur ins Schwärmen - da möchte man direkt Sammler werden. Diese traumhafte Vel-Satis / Avantime-Paarung. Waren das tolle Autos. Oder der unfassbar praktische Peugeot 1007. Ein besseres und praktischerer Stadtwagen ist mir nie mehr untergekommen. Herrlich! Die Liste (und da bin ich sicherlich nur einer in einer langen Reihe von Klugscheissern) ist allerdings nicht vollständig. Es fehlt auf jeden Fall der majestätische Citroen C6. Eine Liste der Gescheiterten ist ohne dieses automobile Kleinod nicht denkbar...
Lotus Driver 06.01.2018
2. Gründe
Der Artega dürfte auch daran gescheitert sein, dass er seitlich und am Heck sehr gut, aber er von vorne unfassbar dämlich aussah und unter der Haube zu einem überzogenen Preis hauptsächlich popelige Volkswagen Technik verbaut wurde. Der Opel GT litt unter vielem, so kauft ein Opel-Kunde i. d. R. keinen Sportwagen und ein Sportwagen-Kunde keinen Opel. Noch schlimmer machte das die Tatsache, dass es in Wahrheit sogar nur eine Ami-Kiste mit Opel Logo war: Optik und Leistungsangaben standen im völligen Widerspruch zu Fahrleistungen und Fahrdynamik. Eher eine Highway-Schaukel denn ein Sportwagen. Einen Kofferraum hatte man gleich ganz vergessen, etwas das jeder echte Sportwagenhersteller noch in der kleinsten Hütte umsetzen kann.
andreasm.bn 06.01.2018
3. nicht zu vergessen....
der unfassbar schöne, eine Stilikone darstellende Fiat Multipla! :-D
willi-wacker 06.01.2018
4. Vw 411
Hier fehlt definitiv der größte Flop von Volkswagen. Der Name, so sagte man damals, beruhte darauf, dass er 4 Türen hatte (erstmals bei VW) und 11 Jahre zu spät auf den Markt gekommen ist.
karldhammer 06.01.2018
5. Ich vermisse das eine oder andere
E-Vehikel in dieser Aufzählung, zu teuer, unzuverlässig.
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