Verkehrsminister im "heute-journal" "Dann gehen wir mal zum Autohändler, Frau Slomka"

In einem Interview zu Dieselfahrverboten nahm ZDF-Moderatorin Slomka Verkehrsminister Scheuer kräftig in die Zange. Der Bayer reagierte mit einem überraschenden Angebot.

Verkehrsminister Andreas Scheuer, Marietta Slomka
ZDF

Verkehrsminister Andreas Scheuer, Marietta Slomka

Von Christian Frahm


"Dann gehen wir mal zum Autohändler, Frau Slomka, und schauen, welche Möglichkeiten es da gibt." So oder so ähnlich könnte ein Verkaufsgespräch zwischen Autoverkäufer und Kunde beginnen. Tatsächlich war es Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der so versuchte, Nachrichtenmoderatorin Marietta Slomka im "heute-journal" vom jüngsten Dieselkompromiss zwischen der Regierung und der Autoindustrie zu überzeugen.

Slomka hatte kritisiert, dass der Kompromiss vielen Fahrern alter, dreckiger Dieselautos nicht wirklich helfe. Für die am Donnerstag vereinbarten 3000 Euro Rabatt der Industrie könnten sie sich schließlich keinen neuen Wagen kaufen. Auf einen solchen sind Autofahrer in vielen Städten aber angewiesen, weil Gerichte zunehmend Fahrverbote verhängen. Daraufhin folgte Scheuers Angebot, mit der Moderatorin beim Autohändler nach einem netten Neuwagen zu suchen. Doch Slomka ließ nicht locker.

Das Geld nütze auch Fahrern wenig, die ihren Wagen mit neuer Abgastechnik nachrüsten lassen wollten und das Geld als Zuschuss dafür in Anspruch nehmen wollten. Denn Lösungen für eine Hardwarenachrüstung kommen erst 2019 oder sogar 2020 auf den Markt. Die ersten Fahrverbote greifen aber bereits seit diesem Jahr in Hamburg. Im kommenden Jahr sollen weitere Fahrverbote in Köln und Bonn eingeführt werden, womöglich auch in Stuttgart, Berlin und anderen Städten.

Dafür hatte Scheuer auch keinen guten Rat, und was er Slomka für die 3000 Euro im Autohaus hätte anbieten können, lies er ebenfalls unbeantwortet.

Dieselskandal hat nichts mit Fahrverboten zu tun

Stattdessen holte der Minister zum Gegenschlag aus, warf Slomka vor, sie vertrete eine populistische Ansicht und lenkte mit einer überraschenden These ab: "Die Fehler und Manipulationen haben mit der jetzigen Situation der Fahrverbote und den Problemen in den Innenstädten nichts zu tun", leugnete er den Zusammenhang zwischen Autoabgasen von Schummeldieseln und Luftverschmutzung. "Die 6,3 Millionen Softwareupdates haben die Autos in Ordnung gemacht", so Scheuer. Viele Fachleute bezweifeln das, und Slomka ließ sich nicht von ihrer Kritik abbringen. Auch Scheuer beharrte auf seinem Punkt.

Hängen blieb mal wieder das Bild eines Ministers, der sich nur allzu gern für die Autoindustrie ins Zeug legt. Erst vor wenigen Tagen hatte das Scheuer unterstellte Kraftfahrtbundesamt mit einem Schreiben für Schlagzeilen gesorgt, in dem es im Briefkopf für die Umtauschprogramme der Autohersteller warb. Dass der Minister Autofahrer persönlich mit ins Autohaus nimmt, war dem Schreiben allerdings nicht zu entnehmen.



insgesamt 97 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tatsache2011 09.11.2018
1. in Ordnung gebracht ?
# "Die 6,3 Millionen Softwareupdates haben die Autos in Ordnung gemacht", so Scheuer. # Leider weiterhin nur auf dem Prüfstand und nicht auf der kalten Straße durch das nachträglich genehmigte Thermofenster.
btwesten 09.11.2018
2. chapeau Frau Slomka
Frau Slomka, wie gewohnt - so lange bohrend bis ein Kern kommt, oder auch nicht :-) Gut gemacht, die Maske der Industriebeauftragten wurde erfolgreich gelupft. Weiter so.
ptb29 09.11.2018
3. Und was hat die Luftverschmutzung nun mit Dieselabgasen zu tun?
Es ist inzwischen normal, dass die Reporter mit unsachlichen Fragen eine sogenannte Beharrlichkeit zeigen wollen, aber ihrem Gegenüber gar nicht zuhören. Arbeitet Euch ruhig am Diesel ab, demnächst ist der Benziner dran und dann die Rohstoffe, aus denen Akkus gebaut werden.
chrismuc2011 09.11.2018
4.
Ich habe real einen Verlust von 5000€, wenn ich meinen Wagen verkaufe. Die Preise sind massiv gepurzelt und im Keller. Ein Freund wollte seinen E-Klasse Mercedes Diesel verkaufen. Nach Wochen konnte er ihn an einen Händler in Montenegro verkaufen mit erheblichen Nachlass. Dort wird der Wagen als Taxi laufen. Es lachen sich doch alle Aufkäufer in unseren Nachbarländern tot, was bei uns passiert. Und die Dieselbesitzer aus Nachbarländern werden unter dieser Entwicklung auch zu leiden haben.
syt 09.11.2018
5. wie lange braucht es,
damit die Luft sauber wird,wenn keine Fahrzeuge in der Stadt fahren ? Warum gibt es kein Versuch am Wochenende,um wi e viel die Luft besser wird,wenn keine Fahrzeuge fahren ? Ist es überhaupt messbar,wenn an einem Tag keine Autos fahren ?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.